Studieren in der Ferne

09.03.2018 - 10:30

Mein Auslandssemester in Stoke-on-Trent

Es ist ein weiter Weg von Schwerin nach Stoke-on-Trent, einem Ort zwischen Birmingham und Manchester. Genauer gesagt knapp 1.000 km Luftlinie, aber mein Interesse war sofort geweckt, als meine duale Hochschule, die DHBW, eine Kooperation mit der dortigen Staffordshire University startete. Ich bin Tim Mathy und absolviere ein duales Studium in der Fachrichtung "Regenerative Energiesysteme" bei der WEMAG. To make a long story short: Nun bin ich hier. Zu meinem Auslandssemester in Stoke-on-Trent. Hier schreibe ich darüber, was ich dort erlebe:

Eine passende Unterkunft vor Ort habe ich, gemeinsam mit anderen Kommilitonen, über HIM Lettings gefunden. Das war ganz unkompliziert. Seither wohnen wir dort zu dritt in einer WG.

Getroffen haben wir uns in Manchester, um von dort aus mit dem Zug nach Stoke-on-Trent weiter zu reisen. Da meine beiden Kommilitoninnen einen späteren Flieger gebucht haben, hatte ich knapp vier Stunden Aufenthalt am Flughafen in Manchester. Den habe ich genutzt, um noch ein wenig Geld am Flughafen umzutauschen (auch wenn der Wechselkurs eine absolute Frechheit war).

Viele neue Eindrücke warteten auf Tom Mathy während seines Auslandssemesters.

Viele neue Eindrücke warteten auf Tom Mathy während seines Auslandssemesters.

Are you from Poland? Polnisch?

Schon während der Zugfahrt wurden wir von einigen Engländern angesprochen, die erkannt haben wollten, dass wir polnisch sprechen. Diese Verwechslung sollte noch des Öfteren vorkommen. Für englische Ohren klingt Deutsch offenbar wie Polnisch? Dennoch haben wir uns mit den Menschen im Zug nett unterhalten können und alle waren sehr hilfsbereit uns mit unserem Gepäck - für jeden von uns 2 große Koffer  und eine Tasche - zu unterstützen. In Stoke angekommen konnten wir recht schnell unsere Wohnung beziehen und verbrachten unsere erste Nacht in der Fremde entspannt im Bett.

Weniger entspannt war in den kommenden Tagen die Gestaltung unseres Stundenplans. Die größte Schwierigkeit dabei war, dass die „Business“ und die „Engineering“ Fakultät der Universität nicht zusammenarbeiten. Das führte zu zahlreichen Überschneidungen mit den verschiedenen Kursen. Aber dank der Mitarbeiter und der Koordinatoren der entsprechenden Studiengänge konnten wir unseren Stundenplan ohne Überschneidungen realisieren.

Von den ersten Tagen blieb vor allem eines hängen: Alle Engländer, die wir getroffen haben, waren überaus offen, hilfsbereit und extrem freundlich. Und sie trinken Tee wirklich mit Milch.

 

Die Partnerhochschule der DHBW ist die Staffordshire University.

Die Partnerhochschule der DHBW ist die Staffordshire University.

Das Studium

In puncto Vorlesungen unterscheidet sich England drastisch von deutschen Hochschulen. Das erste, was ins Auge fällt, ist der Umgang der Studenten mit den Dozenten.

Studenten kommen und gehen, wann sie wollen, reden während der Vorlesung lautstark miteinander und sind kaum aufmerksam. Alle Dozenten werden mit Vornamen angesprochen und im Allgemeinen unterscheidet sich der Ton, mit dem Studenten mit dem Dozenten kommunizieren, komplett vom Deutschen.

Auch die Vorlesungen anders aufgebaut als in Deutschland. Während wir an der DHBW eine Vorlesung als Vortrag des Professors verstehen, sind Vorlesungen in England eher Workshops. In Zusammenarbeit mit Dozenten lösen und diskutieren die Studenten Aufgaben.
Das System des Studierens in England unterscheidet sich stark vom deutschen System. Ich denke, beides hat seine Berechtigung.

 

Die Inhalte

Themen aus den Bereichen Business und Technik bestimmen unser Auslandsemester. Die Woche ist dadurch sehr abwechslungsreich. Der Montag startet mit „Management, the Entrepreneur and Small Business Environment “. Hier sprechen wir mit der Dozentin Hazel Squire über die Charaktereigenschaften eines Gründers, die verschiedenen Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung und die Standortwahl für ein Unternehmen. Im Modul „Communication Principles“ mit Dr. Abdel-Hamid geht es unter anderem um Kommunikationstheorie und Signalübermittlung.

Der Dienstag beginnt technisch: „Energy Management“ bei Tarik Al-Shemmeri stellt Energieeffizienz, Thermodynamik und Energie-Audits in den Fokus. 

Mittwochs geht es ums „Internet Marketing“ bei Andras Kenèz. Das Modul behandelt verschiedene Möglichkeiten des erfolgreichen digitalen Marketings. Viele Beispiele, Gruppenaufgaben und Projekte sind Kernbestandteil des Moduls. Schon nach der ersten Veranstaltung haben wir einen Marketing-Plan für eine von ihm organisierte Konferenz an der Staffordshire University mitgestaltet und daran teilgenommen. Zumindest ich – denn meine Kommilitonin musste krank das Bett hüten. Jeden Mittwochnachmittag geht es freiwillig zu „Academic Skills“. Ein Kurs um unseren englischen Wortschatz aufzufrischen bzw. zu erweitern.

Am Donnerstag haben wir bei Pete Johnes „Management, Planning and Control of Production “. Hier beschäftigen wir uns hauptsächlich mit Produktionsketten, die in verschiedenen Tools am PC zunächst aufgebaut, dann analysiert und abschließend optimiert werden.

Bisher machen mir alle Module sehr viel Spaß und sind sehr spannend.

Tom Mathy hat im Rahmen seines dualen Studiums ein Auslandssemester in Stoke-on-Trent absolviert.

Tom Mathy hat im Rahmen seines dualen Studiums ein Auslandssemester in Stoke-on-Trent absolviert.

Freizeit mit den Internationals

In Stoke gibt es einige Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen. In der ersten Woche organisierte das International Office der Staffordshire University zahlreiche Trips und Ausflüge, bei denen ich viele Kontakte zu anderen internationalen Studenten knüpfen konnte. Meine neuen Freunde sind Studenten aus Holland, Spanien, Griechenland und aus dem Kosovo.  Zusammen haben wir beispielsweise die Gladstone Pottery in Stoke-on-Trent besucht. Die Stadt ist für ihre Töpfereien und Porzellan-Fabriken bekannt. Zusätzlich zur Führung haben wir selbst Teller bemalt und mit nach Hause nehmen. So konnten wir einen Eindruck gewinnen, wie in der Fabrik vor 150 Jahren gearbeitet wurde. All das war für uns kostenlos, aber auf keinen Fall umsonst.

Aber auch auf dem Campus gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Abend ausklingen zu lassen. Die Universität unterhält eine eigene Bar/Lounge auf dem Campusgelände, die Ember Lounge. Die Bar wird von Studierenden betrieben und geleitet, der Gewinn fließt 1:1 wieder in die Entwicklung von neuen Möglichkeiten, um das Erlebnis der Studierenden auf dem Campus zu verbessern. Dort gibt es an jedem Abend verschiedene Veranstaltungen, z.B. ein Kneipenquiz oder eine Ladies Night. Der Karaokeabend am Dienstag war für uns bis jetzt immer Pflichtprogramm, und auch ich, der ich überhaupt nicht singen kann, habe mich zu einem Lied hinreißen lassen. Es klang furchtbar, aber immerhin wurde ich nicht ausgebuht. Das verbuche ich als Erfolg.

Unseren ersten Wochenendtrip machten wir nach Nottingham, die berühmte Stadt des Robin Hood. Wir erkundeten das Nottingham Castle und machten bei einer Führung durch die Nottingham Caves mit, die sich unter dem Castle befinden. Auch der alte Marktplatz in Nottingham ist einen Besuch wert, allgemein die wunderschöne Altstadt Nottinghams.
Lustigerweise habe ich festgestellt, dass ich bisher gar keine Fotos von der Uni habe. Kommen noch! Bis jetzt macht es mir sehr viel Spaß hier in England. Ich hoffe, das ändert sich nicht, wenn die Prüfungszeit langsam näher rückt.

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