WEMAG-Batteriespeicher baut dank intelligenter Software mit Gasturbinenkraftwerk Stromnetz nach Totalausfall wieder auf

16. Mai 2019
Schwerin, 16.05.2019. In der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns ist es in einem bislang einzigartigen Versuch gelungen, mit einem schwarzstartfähigen Batteriekraftwerk unter Einbeziehung einer Gasturbinen-Anlage und eines Windparks ein abgeschaltetes Stromnetz wiederaufzubauen. Dabei konnten innovative Schwarzstart- und Netzwiederaufbauszenarien untersucht werden. Dieser praktische Versuch bildete die Fortsetzung des im August 2017 erfolgreich durchgeführten ersten Schwarzstarts, der damals noch ohne Einbeziehung einer Erneuerbare-Energien-Anlage und simulierten Verbrauchern erfolgreich absolviert wurde. 
Batteriespeicher Schwerin

Die zwischen WEMAG-Batteriekraftwerk und Umspannwerk stationierten elektrischen Bauelemente simulierten den Stromverbrauch von etwa 20.000 Haushalten. Foto: WEMAG/Stephan Rudolph-Kramer

Neben der WEMAG AG, der WEMAG Netz GmbH und der Batteriespeicher Schwerin GmbH & Co. KG waren an dem Test die Energieversorgung Schwerin GmbH & Co. Erzeugung KG (EVSE), die Fakultät für Informatik und Elektrotechnik der Universität Rostock, die EOS Windpark Uelitz GmbH & Co. KG sowie der Energiedienstleister Aggreko beteiligt. Aggreko hatte (noch als Younicos) den schwarzstartfähigen Batteriespeicher für die WEMAG errichtet und stellte zudem für den Versuch auch Hardware zur Verfügung.

„Mit diesem Test konnten wir beweisen, dass der WEMAG-Batteriespeicher für den Wiederaufbau des Stromnetzes nach Großstörungen oder einem Blackout eine primäre Funktion übernimmt. Bislang wird dafür rein konventionelle Kraftwerkstechnik verwendet. Durch das Einbinden von Verbrauchern und der Zuschaltung des Stroms aus den Windkraftanlagen haben wir eine realitätsnahe Situation geschaffen. Mit den Ergebnissen kommen wir in unserem Projekt, das wir zur Marktreife bringen wollen, einen großen Schritt vorwärts“, sagte Thomas Murche, technischer Vorstand der WEMAG. Er bedankte sich bei allen Partnern des Projektes „Kickstarter“ für die ausgezeichnete Zusammenarbeit. Das innovative Schwarzstartkonzept wird von der Förderinitiative „Zukunftsfähige Stromnetze“ des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert. 

Für diesen technisch sehr anspruchsvollen Versuch wurde ein abgeschlossener Bereich des Netzes aufgebaut und in einen kompletten Stromausfall versetzt. Das WEMAG-Batteriekraftwerk setzte das Versuchsnetz unter Spannung. Anschließend ging die ebenfalls schwarzstartfähige Gasturbine der EVSE in Betrieb und die Verbraucher wurden über eine Agrreko-Lastbank ersetzt. Dafür standen zwischen dem Batteriekraftwerk und dem Umspannwerk in Lankow auf vier Tiefladern verteilte elektrische Bauelemente bereit. Diese Widerstände simulierten den Stromverbrauch von etwa 20.000 Haushalten, was einer Stadt wie Parchim entspricht. Anschließend wurde der Windpark zugeschaltet und verschiedene Tests durchgeführt. Während des mehrstündigen Versuchs waren keine Netzkunden mit diesem abgeschlossenen Stromnetz verbunden. Diese wurden über andere Leitungen versorgt. 

Tobias Struck, Geschäftsführer WEMAG Batteriespeicher

Bei WEMAG-Projektkoordinator Tobias Struck liefen während der Tests alle Fäden zusammen. Foto: WEMAG/Stephan Rudolph-Kramer

Manfred Krüger und Paul Gerdun (v.l.) vom Lehrstuhl Elektrische Energieversorgung der Universität Rostock dokumentieren mit ihren Messgeräten den Versuchsablauf. Foto: WEMAG/Stephan Rudolph-Kramer

Manfred Krüger und Paul Gerdun (v.l.) vom Lehrstuhl Elektrische Energieversorgung der Universität Rostock dokumentieren mit ihren Messgeräten den Versuchsablauf. Foto: WEMAG/Stephan Rudolph-Kramer

Im Falle einer Großstörung bis hin zum vollständigen Ausfall des Übertragungsnetzes müssen die Betreiber von Erzeugungseinheiten und Stromnetzen zusammen die Wiederherstellung der Stromversorgung in den von ihnen betriebenen Netzen koordinieren. Bei einem mehrtägigen Blackout wären in Mecklenburg-Vorpommern erhebliche Schäden an der gesamten Infrastruktur und Probleme bei der Grundversorgung der Bevölkerung zu erwarten. Die Systemdienstleistung „Versorgungswiederaufbau“ wird nicht nur von Netzbetreibern, sondern auch von der Industrie benötigt, um einen langandauernden kostenintensiven Produktionsausfall zu vermeiden.