Autarkie durch Photovoltaik - wie viel Unabhängigkeit ist möglich?

19. Mai 2022

Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges lassen aktuell die Energiepreise in die Höhe steigen. Die damit verbundene Sorge um die Energiesicherheit in Deutschland kurbelt gleichzeitig die Nachfrage nach Alternativen wie Solarenergie und der entsprechenden Technik weiter an. Grund dafür ist auch der Wunsch, sich durch die Installation einer Photovoltaikanlage mehr Unabhängigkeit von den Preisen am Energiemarkt zu sichern. Doch wie autark kann ein Haushalt durch die PV-Anlage werden?

Was versteht man unter Autarkie?

Mit einer Photovoltaikanlage, beispielsweise auf dem Dach eines Wohnhauses, wird die Energie der Sonne genutzt und eigener Solarstrom produziert. Damit kann ein Teil des Energiebedarfs eines Haushalts gedeckt werden. Dieser Anteil  muss nun nicht mehr aus dem öffentlichen Stromnetz dazugekauft werden. Die (Teil-)Unabhängigkeit, die daraus entsteht wird als Autarkie bezeichnet.

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So wird die Autarkiequote berechnet

Die Autarkiequote (auch Autarkiegrad) beschreibt den relativen Anteil am Gesamt-Strombedarf, der mit der Energie einer Photovoltaikanlage und ohne zusätzlichen Zukauf aus dem öffentlichen Netz gedeckt werden kann. Das bedeutet: je mehr Strom für die Deckung des Strombedarfs von der eigenen PV-Anlage stammt, desto autarker, also unabhängiger, ist der Haushalt.

Autarkiequote = Für Eigenbedarf genutzter Strom der PV-Anlage in kWh/ Jahr durch Gesamter Strombedarf in kWh/ Jahr

Für das folgende Beispiel ist der gesamte Strombedarf eines Haushalts dargestellt. Er wird durch Energie aus zwei verschiedenen Stromquellen gedeckt: 40% fließen aus der eigenen PV-Anlage ein, 60% müssen noch aus dem öffentlichen Netz hinzugekauft werden. Die Autarkiequote beträgt in diesem Fall also 40%. Die Autarkiequote hat damit auch einen direkten Einfluss auf die Stromrechnung, denn je höher diese Quote ist, desto weniger Strom muss zusätzlich gekauft werden.

Beispiel: Anteile der Stromquellen am Gesamt-Stromverbrauch eines Haushalts.

Drei gute Gründe für Photovoltaik

Photovoltaikanlagen erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit und machen in Deutschland bereits ca. 10% der gesamten landesweiten Nettostromerzeugung aus.
Gründe für eine Photovoltaikanlage gibt es viele, so zum Beispiel:
 
 

Die eigenen Stromkosten senken 

Besonders in der aktuellen Situation, aber auch auf lange Sicht sind steigende Energiepreise und der Wunsch die eigenen Kosten zu reduzieren eines der Hauptargumente für die Installation einer PV-Anlage. 
Photovoltaik Anlage Detail

Während der Preis für eine Kilowattstunde (kWh) im Jahr 2020 noch bei 32,05 Cent lag, ist aufgrund des Ukraine-Krieges, aber auch durch eine gestiegene Nachfrage nach Strom sowie hohen Einkaufskosten an der Strombörse ein Anstieg auf durchschnittlich 40,64 Cent/kWh zu verzeichnen. Im Vergleich dazu gibt die Studie “Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien“ des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE an, dass die Stromgestehungskosten von kleinen PV-Dachanlagen zwischen 5,81 Cent/kWh und 11,01 Cent/kWh liegen und damit lediglich ein Viertel des Preises von Strom aus dem öffentlichen Netz ausmachen.

Durch die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Hausdach muss ein geringerer Teil für die Deckung des Strombedarfs aus dem öffentlichen Netz gekauft werden, wodurch steigende Preise umgangen und der eigene Geldbeutel geschont wird.

Zusätzlich dazu rentiert sich die Investition in eine PV-Anlage durch gesunkene Anschaffungskosten. Diese lagen 2008 noch bei durchschnittlich 4.060€ für PV-Module mit einer Leistung von 1 kWp, zehn Jahre später ist der Preis auf 1.070€ gefallen. Gründe dafür sind die gestiegene Nachfrage sowie der Markteintritt von neuen Herstellern und PV-Dienstleistern. Der daraus entstehende Preiswettbewerb sowie sinkende Herstellungskosten ließen in den letzten Jahren den Preis für den Kauf und die Installation von Photovoltaikanlage immer weiter abnehmen.

Tipp:
Mit der Entscheidung für den zertifizierten Ökostrom der WEMAG, tragen Sie ebenfalls Ihren Teil zu einer sauberen Umwelt bei. Erfahren Sie hier mehr über unseren grünen Strom.

Einen Beitrag zum Klimaschutz leisten

Bei der Entscheidung für eine PV-Anlage spielt das Thema Klimaschutz ebenfalls eine große Rolle. PV-Anlagen stoßen im Vergleich zu anderen Energieerzeugungsanlagen wie Kohlekraftwerken kein umweltschädigendes CO2 aus. So konnten 2021 durch die Entscheidung für Photovoltaik 33,6 Mio. Tonnen Treibhausgas-Emissionen eingespart werden. Die Investition in eine PV-Anlage hilft dabei die Energiewende voranzutreiben und endliche, fossile Energieträger wie Erdöl, Kohle oder Erdgas durch erneuerbare und nachhaltige Energien zu ersetzen.

Dadurch ist es möglich einen persönlichen Beitrag zu den national und international gesteckten Klimazielen und zum Umweltschutz zu leisten.

Von der Einspeisevergütung profitieren

Ein weiterer Vorteil von Photovoltaikanlagen bietet die Einspeisevergütung. Im Jahr 2000 wurde mit dem Beschluss des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) die EEG-Umlage eingeführt. Noch finanzieren alle Stromkunden in Deutschland diese Ökostrom-Umlage als Teil des Strompreises mit. Zum 1. Juli 2022 werden sie davon jedoch befreit, da der Bundeshaushalt dann alleine die Finanzierung aus den Energie- und Klimafonds (EKF) übernehmen und damit die Verbraucher entlasten wird.

Die Einspeisevergütung, die durch die EEG-Umlage ermöglicht wird, garantiert für jede Kilowattstunde produzierter Solarenergie, die in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird, eine Vergütung. Diese liegt aktuell (Stand März 2022) bei rund sieben Cent  je eingespeister Kilowattstunde (gilt für Photovoltaik-Anlagen auf Wohnhäusern bis 10 kWp).

Dieser Betrag ist jedoch seit seiner Einführung im Jahr 2000 um 85% bis 90% gesunken, weshalb es sich vor allem lohnt den eigenen Strom selbst zu nutzen. Das bezeichnet man als Eigenverbrauch.
 

Was ist der Eigenverbrauch?

Die Begriffe Eigenverbrauch und Autarkie werden zwar häufig als Synonyme für die Unabhängigkeit vom öffentlich Stromnetz gebraucht, bezeichnen aber unterschiedliche Sachverhalte.

Beim Eigenverbrauch geht es im Unterschied zur Autarkie darum, welchen Anteil der insgesamt von der Photovoltaikanlage produzierten Energie für den eigenen Haushalt verwendet wird. Der Rest wird in das öffentliche Netz eingespeist, wofür der Besitzer der PV-Anlage eine Vergütung im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes erhält.
 

Wie kommt das zustande?

Ein Sommertag besitzt viele Sonnenstunden und die Sonneneinstrahlung ist hoch. Auch, wenn man nun den Rasenmäher anwirft, den Fernseher laufen lässt und viel Energie verbraucht, kann es sein, dass trotzdem nicht aller eigens produzierter Solarstrom des Tages benötigt wird. Die überproduzierte Energie wird dann in das öffentliche Stromnetz geleitet.
 

Da die Einspeisevergütung in den letzten Jahren gesunken ist, lohnt es sich den größten Teil des eigenen Solarstroms selbst zu nutzen. Soll der Eigenverbrauch also erhöht werden und die Einspeisung damit möglichst reduziert werden, bietet sich ein Solarspeicher an. Dieser speichert die überschüssige Energie für dunkle Wintertage, an denen die PV-Anlage zu wenig Strom für den Eigenbedarf produziert. 
 

Eigenverbrauch = Für Eigenbedarf genutzter Strom der PV-Anlage in kWh/ Jahr  durch Gesamter von der PV-Anlage produzierter Strom in kWh/ Jahr

Für das folgende Beispiel ist der gesamte, von der Photovoltaikanlage produzierte Strom dargestellt. Er wird zu 65% für den Bedarf des eigenen Haushalts genutzt. Die restlichen 35% werden in das öffentliche Netz eingespeist.

Beispiel: Anteile der Verbrauchsarten des produzierten Stroms durch eine PV-Anlage

Welcher Autarkiegrad ist möglich und wie kann man ihn erhöhen? 

Durch eine PV-Anlage ist es möglich eine gewisse Unabhängigkeit von den steigenden Energiepreisen zu erlangen. Dabei ist eine Autarkiequote von 100%, also eine völlige Unabhängigkeit, jedoch fast kaum erreichbar. Das liegt daran, dass im Winter häufig auf zusätzlichen Strom aus dem öffentlichen Stromnetz zurückgegriffen werden muss. Ein Autarkiegrad von 30% bis 40% ist realistisch.

Die Autarkiequote wird von verschiedenen Faktoren wie der Anlagengröße bestimmt. 
Auch der Stromverbrauch ist entscheidend. Der Grad der Unabhängigkeit wird erhöht, indem der Strombedarf verringert wird. Das funktioniert beispielsweise durch die Nutzung energieeffizienter Geräte und Smart Home sowie mit kleinen Verhaltensanpassungen. Tipps dazu finden Sie in unserem Blog-Artikel Strom sparen leicht gemacht! Die große WEMAG Stromspar-Liste

Die Menge des produzierten Stroms hängt stets auch von der Aktivität der Sonne ab. So wird die Waschmaschine vielleicht erst abends nach Feierabend angestellt, zu dieser Zeit ist die Sonne aber möglicherweise bereits untergegangen. Aber auch diese Abhängigkeit lässt sich einfach mit einem Solarspeicher verringern. Damit gelingt es die Sonnenaktivität auszugleichen und somit auch an Regentagen die eigene Solarenergie zu nutzen. Mit Hilfe eines Stromspeichers sind Autarkiequoten von bis zu 80% möglich.

Durch die Installation einer PV-Anlage werden Sie also in jedem Fall autarker, minimieren Ihre Stromrechnung und helfen dabei die Energiewende voranzutreiben und das Klima zu schützen.

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