Ein Wochenende mit dem Audi e-Tron

22.08.2019
Roland Sprave hat für uns ein ganzes Wochenende den Audi e-Tron getestet. Hier kommt sein Erfahrungsbericht zur Elektromobilität:
 

Am Freitag, 02.08.19, konnte ich den im Preisausschreiben der WEMAG AG gewonnenen AUDI e-Tron im AUDI-Zentrum-Schwerin abholen und für vier Tage zur Probe fahren. Da ich bereits seit einigen Monaten "elektrisch" unterwegs bin, reichte mir die fahrzeugspezifische Einweisung.

Glücklicherweise verfüge ich über eine eigene Wallbox, da ansonsten die Testmöglichkeit auf die durch das Fahrzeug geschätzten 320 Kilometern beschränkt gewesen wäre. Es wurden zwar Ladekabel mitgegeben, aber keinerlei Ladekarten, um nachladen zu können. Es wäre zwar durch das Zubehör ein Aufladen an einer Schuko-Steckdose möglich gewesen, aber das ist nicht wirklich performant und sollte eine Notlösung bleiben.

Der e-Tron ist nie als reines Elektroauto entwickelt worden, sondern eigentlich als der SUV Q 7 mit Verbrennungsmotor. Hier offenbart sich auch ein großer Nachteil, denn das Auto ist sehr energiehungrig. Trotz Fahren im Effizienzmodus und maximal 120 - 130 km/h auf der Autobahn, lag der Verbrauch bei knapp unter 30 kWh auf 100 KM. Das ist sicherlich der Bauform geschuldet; der e-Tron ist kaum stromlinienförmig und schiebt die Luft wie eine fahrende Schrankwand vor sich her.

Roland Sprave hat für uns ein ganzes Wochenende den Audi e-Tron getestet.

Roland Sprave hat für uns ein ganzes Wochenende lang den Audi e-Tron getestet. Foto: Roland Sprave

Die Fahreigenschaften und die Verarbeitung sind aber hervorragend. Wie bei einem Elektroauto üblich, fährt sich das Auto absolut angenehm leise und die Kraft der Elektromotoren steht sofort zur Verfügung. Geladen habe ich den Wagen an den vier Tagen immer dann, wenn es möglich war und das klappte einwandfrei. In einigen Parkhäusern in Rostock ist das Laden sogar kostenfrei möglich und auch diese Gelegenheiten habe ich genutzt.

Die längste Fahrt war zum Stammtisch der "Interessengemeinschaft Elektromobilität M-V" nach Gessin bei Basedow (Hin- und zurück = 240 KM). Hier konnte der e-Tron einem breiten, an Elektromobilität sehr interessierten und versierten, Publikum vorgestellt werden. Es hätte in Gessin zwar die Möglichkeit gegeben an einem Schnellader aufzuladen, aber aufgrund der möglichen Reichweite von ca. 320 km war das nicht notwendig und so etwas wie Reichweitenangst muss man mit dem Fahrzeug keinesfalls haben.

Ein Elektroauto ist durchaus als alltagstauglich zu bezeichnen. In den Monaten meines "elektrisch Fahrens" hat es noch nie Situationen gegeben, in denen ich nicht hätte laden können. Es muss natürlich beim Fahrer ein Umdenken stattfinden. Ein Elektroauto wird nicht erst dann geladen, wenn die Batterie leer ist, sondern immer dann, wenn es möglich ist. Also durchaus auch mal während des Einkaufs in einem großen schwedischen Möbelhaus oder bei einem Supermarkt. Denn mittlerweile stellen immer mehr Geschäfte ihren Kunden Lademöglichkeiten zur Verfügung.

Der einzige Wermutstropfen ist jedoch die Ladeinfrastruktur im Allgemeinen und in Mecklenburg-Vorpommern im Speziellen. Es ist für mich als Fahrer eines Elektroautos völlig unerklärlich, warum es für das Laden keinen Standard gibt. Warum muss ich mich je nach Ladesäule erst einmal mit unterschiedlichsten Menüs beschäftigen? Warum muss ich diverse Ladekarten dabeihaben, um Laden zu können? Warum sind die Abrechnung und das Gebührenmodell nicht einheitlich? Bei fossilen Kraftstoffen ist das doch auch möglich: Die Tanköffnung der Fahrzeuge und die Zapfpistole sind genormt. Die Bezahlmöglichkeit ist genormt: Bargeld oder EC- bzw. Kreditkarte.

Um also noch mehr Menschen für die Elektromobilität zu begeistern, wünschte ich mir genormte Ladevorgänge und die Möglichkeit einfach mit meiner EC-Karte den Ladevorgang starten und bezahlen zu können.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es einfach zu wenig Ladesäulen. Hier muss ein rascher Ausbau erfolgen! Die dafür Verantwortlichen argumentieren zwar gerne mit den gerade mal ca. 500 angemeldeten Elektrofahrzeugen in Mecklenburg-Vorpommern, doch unser Bundesland ist Urlaubsland. Und auch die Urlauber erwarten, mit ihren Elektroautos laden zu können und möchten nicht stundenlang darauf warten müssen, dass mal eine Säule frei wird oder sie überhaupt eine am Urlaubsort finden. Wenn es also wirklich einen politischen Willen zum Wandel gibt, dann muss das Ladenetz dringend ausgebaut werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.