Blindleistungsmanagement: Forschen für den Wandel

09.07.2019

Blindleistungs... WAS? Der Begriff „Energiewende“ ist für viele mit Windkrafträdern oder Photovoltaikanlagen verbunden. Dabei beinhaltet ein echter Wandel in der Energieerzeugung und -nutzung so viel mehr! Als Energieerzeuger und Netzbetreiber müssen wir uns schon heute täglich mit den Fragen einer sicheren und zuverlässigen Stromerzeugung und -versorgung in der Zukunft auseinandersetzen. Dabei handelt es sich um eine hochkomplexe Angelegenheit. Vorrangig geht es um die Frage, wie die Netze aufgebaut sein und verwaltet werden müssen, wenn nicht mehr nur einige wenige Kraftwerke auf Knopfdruck Strom erzeugen, sondern viele kleine Anlagen dezentral ihre Energie einspeisen.

Blindleistungsmanagement baut richtige Spannung auf

Ein Punkt darin ist das so genannte Blindleistungsmanagement. Die geneigte Leserschaft fragt sich nun zu recht: Was ist das eigentlich „Blindleistung“? Grob erklärt, fließt zwischen dem Erzeuger der Energie mehr Strom als durch den Verbraucher letztlich abgenommen wird. Dieses „mehr“ ist die so genannte Blindleistung. Sie soll einerseits so gering wie möglich gehalten werden, damit keine Energieverluste entstehen, wird aber andererseits auch benötigt um überhaupt erst ein Wechselstromnetz, nämlich die Spannung darin, aufzubauen. Je mehr kleinere Energieerzeuger nun in Zukunft ihren Strom in das Netz einspeisen, desto schwieriger wird die Koordination und die Erbringung der Blindleistung. Bisher bestehende Konzepte des Netzbetriebs und der Netzplanung müssen deshalb angepasst werden.

Neues Forschungsprojekt stellt Fragen und liefert Antworten

Die Fragen, die sich daraus stellen, soll ein neues Forschungsprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums beantworten, an dem verschiedene Akteure, darunter die Technische Universität Braunschweig, die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH), das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE), die WEMAG und weitere große Flächennetzbetreiber im Osten sowie der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH beteiligt sind. Es heißt Q-Integral und wird mit 1,9 Millionen Euro gefördert. Dabei geht es sowohl um eine technische Analyse als auch um die wirtschaftliche Nutzbarkeit der Pilotprojekte.

Sichere Stromversorgung steht im Fokus

So entwickelt die Technische Universität Braunschweig ein aktives Blindleistungsmanagement, das die kleinen Erzeuger in einem virtuellen Kraftwerk zusammenfasst. Interessant daran ist, dass die Blindleistung dabei auch über die bisher bestehenden Grenzen einzelner Netzbetreiber hinaus gesteuert und optimiert werden. Die bisherige Aufgabenabgrenzung zwischen den großen Übertragungsnetzbetreibern und Flächennetzbetreibern, also denen, die Strom über weite Wege transportieren und denen, die den Strom direkt zum Verbraucher bringen (bspw. WEMAG) wird aufgeweicht. Die veränderten Rahmenbedingungen haben außerdem Einfluss auf die Schutzkonzepte für die Stromnetze. Stichwort: Versorgungssicherheit! Hieran forscht das Fraunhofer ISE, während die OTH Regensburg in Zusammenarbeit mit der KBR Kompensationsanlagenbau GmbH an einer volkswirtschaftlich optimalen Netzplanung arbeitet.
 

„Forschen im Labor der Energiewende“

Dank der Mitwirkung nicht nur von der WEMAG, sondern auch von der E.DIS Netz GmbH sowie der Thüringer Energienetze GmbH & Co. KG steht für diese Forschungen ein großes Netzgebiet zur Verfügung, das schon heute einen überproportional hohen Anteil von erneuerbaren Energien verzeichnet. Zuletzt waren es 56 Prozent im Jahr 2018! Nicht von ungefähr haben diese und weitere große Netzbetreiber im Osten daher den Begriff „Labor der Energiewende“ geprägt. Jüngst fand zum Auftakt ein Austausch aller beteiligten Projektpartner teil. Es folgen nun drei Jahre intensiver Forschung und Zusammenarbeit.

Projektpartner/Projektpartnerinnen beim Kick-off am 20.05. in Braunschweig

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