Strompreise: Am meisten kassiert der Staat

18.07.2016
Der Strompreis an der Börse fällt

© Tim Reckmann / pixelio.de

Fallende Preise an der Strombörse - konstante Preise beim Verbraucher. Wie passt das eigentlich zusammen? Schuld an diesem Missstand sind nicht etwa die Energieversorger, sondern der Staat. Der langt mit Steuern und Abgaben nämlich kräftig zu!

Über die Hälfte gehen an den Staat

Wer die Preise an den Strombörsen im Auge behält, konnte in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung mit verfolgen: Die Preise sind kontinuierlich gesunken. Davon haben jedoch die Verbraucher nichts. Laut dem Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft sind die Strompreise 2016 bislang im günstigsten Fall konstant geblieben. Ein Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden kommt weiterhin auf 84 Euro pro Monat. Was läuft hier also schief?

EEG-Umlage steigt weiter an

Änderungen gab es bei der Zusammensetzung des Strompreises - von denen der Verbraucher aber nichts hat. Der Anteil von Steuern und staatlicher Abgaben ist um zwei Prozentpunkte auf nun 54 Prozent gestiegen und hat damit einen historischen Rekordwert erreicht. Noch nie mussten Verbraucher so viel Geld an den Staat bezahlen, um Strom von den Versorgungsunternehmen zu erhalten. Wer nun hier gezielt nach einem Schuldigen sucht, wird zwangsläufig auf die EEG-Umlage als größten Kostenblock stoßen. Die Subventionierung der Ökostromproduktion kostet einen jeden Haushalt im Schnitt 18,50 Euro pro Monat und damit 50 Cent mehr als im Vorjahr.

Einfluss der Energieversorger auf Strompreis sinkt weiter

Änderungen sind aber in Sicht. Die Bundesregierung plant derzeit, dass erneuerbare Energien in Zukunft nur noch über wettbewerbliche Ausschreibungsverfahren gefördert werden sollen. Eine Maßnahme, die vom BDEW begrüßt wird, denn so ließe sich bei richtiger Ausgestaltung eine hohe Kosteneffizienz erreichen. Der weitere Anstieg von Steuern und Abgaben belastet vor allem die unternehmerische Freiheit der Energieversorger, die aktuell nur noch auf 21 Prozent des Strompreises Einfluss haben. Im vergangenen Jahr waren es immerhin noch 24 Prozent, die auf die betreffenden Bereiche Beschaffung und Vertrieb entfielen.

Seit Beginn der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 sind die Energiepreise für private Haushalte um stolze 68 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung lässt sich in erster Linie auf die Steuern, Abgaben und Umlagen zurückführen, denn diese sind im gleichen Zeitraum um beachtliche 281 Prozent gestiegen. Auch wenn die Energieversorger gerne mal als Preistreiber hingestellt werden: Sie sind nur für ein Plus von 1 Prozent verantwortlich. Ihr Anteil an der Stromrechnung liegt derzeit bei 38,44 Euro - fast wie vor 18 Jahren.

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