Der Mann hinter den Cartoons - Zu Besuch bei Cartoonist Mario Lars

18.05.2016
Der Mann hinter den WEMAG-Cartoons: Mario Lars

Der Mann hinter den WEMAG-Cartoons: Mario Lars (Roland Regge-Schulz) Foto: Hans-Dieter Hentschel

"Woher ich diese Ideen habe?“, Mario Lars lacht, lehnt sich zurück, legt den Zeichenstift aus der Hand und hält ein Notizbuch hoch. „Für mich ist das Arbeit, ich setze mich hin und denke ganz gezielt über ein Thema nach. Papier brauche ich dazu in der Hand und einen Stift. Das hilft beim Denken. Ich stelle mir eine Situation vor, ganz konkret. Und dann lass ich meine Gedanken frei. Wenn es gut geht, steht am Ende ein Witz.“

Mario Lars blättert im Skizzenbuch, sagt, dass bei Cartoonisten die Gedanken an irgendeiner Stelle im Gehirn anders abbiegen. Sagt: „Da ist wohl etwas anders zusammengelötet“, und tippt sich an den Kopf. Aber der Kopf kann auch geradeaus laufen, wenn Mario Lars nicht der Cartoonist ist, sondern der Redakteur, der Grafiker Roland Regge-Schulz. Über 20 Jahre hat er ernsthaft für die Schweriner Volkszeitung geschrieben, war verantwortlich für Grafik, Layout und Fotos. Heute arbeitet er freiberuflich. Schreibt als Redakteur für das Online-Magazin dieschweriner.de, animiert kleine Filme fürs Fernsehen und am liebsten zeichnet er als Mario Lars Cartoons. Täglich setzt er sich an den Tisch. Beschäftigt sich mit der aktuellen Lage, zeichnet für Tageszeitungen und Online-Portale.

Sechs Bücher sind es inzwischen, die er komplett mit „seinem Zeug“ (wie er es nennt) gefüllt hat. Insgesamt sind es schon fast hundert, in denen sein Zeug zu finden ist. Seit 2012 zeichnet Mario Lars auch für die WEMAG. Jede Woche ein Cartoon „Unter Strom“ auf Facebook. Das können wir doch mal ausprobieren, hieß es am Anfang. Mal sehen, wie es ankommt. Und mal sehen, wie viel „Stromwitze“ dem Cartoonisten einfallen. Fast 200 sind es bis jetzt geworden. „Und noch ist der Akku nicht leer“, sagt Mario Lars. Die besten Cartoons sind nun im Buch „Unter Strom“ versammelt und zum Beispiel bei Hugendubel in Schwerin, im Kundencenter der WEMAG oder bei Amazon erhältlich.

Und schon sitzt er wieder an seinem Zeichentisch. Darauf findet sich kein Blatt Papier, nur ein Laptop und ein großer, klappbarer Monitor. Er arbeitet auf herkömmliche Art und Weise. Erst die grobe Skizze, dann die Reinzeichnung, dann wird coloriert. Am Ende werden die Sprechblasen gefüllt. Alles per Hand, alles mit Stift. Nur dass der Stift digital ist und der Monitor das Papier. „Man sieht es den Zeichnungen nicht an, es spart unglaublich Zeit“, sagt Mario Lars, „und Fehler sind viel leichter zu korrigieren.“ Zeit ist überhaupt das größte Thema. „Der Tag könnte 40 Stunden haben“, sagt Mario Lars, „ich würde mich keine Minute langweilen, ich hätte mehr als genug zu tun.“

Mario Lars zeichnet sein Cartoons direkt digital auf einem klappbaren Monitor

Auf dem klappbaren Monitor werden die Cartoons direkt digital gezeichnet. (Foto: Hans-Dieter Hentschel)

Schnell gezeichnet: Aus der Idee wird die erste Skizze entwickelt.Die Reinzeichnung: Hier werden die Konturen deutlicher. Die Reinzeichnung wird coloriertDie fertige Colorierung mit den Sprechblasen

Verheiratet ist er, vier Kinder hat er. Zwei sind noch im Haus. „Prinzessinnen“, sagt er und „die pubertieren gerade so vor sich hin.“ Mal alle fünfe gerade sein lassen, fällt Mario Lars schwer. Sein Lieblingsplatz? Auf dem Schulzenhof in Gneven im Frühjahr auf der Bank sitzen, mit einem Kaffeebecher in der Hand zugucken, wie die Morgensonne über die Bäume klettert und die Vögel sich durch die Büsche lärmen. Ein Sommer-Galerie-Café hat es hier mal gegeben. Seine Frau hat es betrieben, er hat geholfen, wo er konnte. Den Gästen hat es gefallen. Am Ende hat die fehlende Zeit den Spaß gefressen. Das Café wurde geschlossen, der Hof blieb. Als Refugium, als kleines Alltagsparadies, als Firmensitz, als Garten-Sportplatz für den Bürorücken. Leider kommt das Letztere oft viel zu kurz. Es ist die Zeit, die wie so oft fehlt. Mario Lars blättert sich gedankenverloren durchs Skizzenbuch. „Moment mal“, sagt er, streicht etwas durch und kritzelt ein paar Worte hinein. Er klappt das Buch zu, legt es auf den Tisch: „Davon habe ich noch mehr im Regal. Ich werde wohl nie schaffen, allen Ideen darin auch ein Gesicht zu geben. Aber versuchen, werde ich es.“

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